FAZ Artikel „Die kleine Geisterstadt“ 14.08.2017: Öffentlicher Brief dazu von Ardi Goldman

Am 15.08.2017 schrieb Ardi Goldman an
Herrn Dr. Matthias Alexander, Ressortleiter des F.A.Z.-Regionalteils, und Herrn Werner D’Inka,  Herausgeber der FAZ,
folgende Email:

Sehr geehrter Herr D’Inka,
sehr geehrter Herr Dr. Alexander,

über den Artikel aus der FAZ gestern „Die kleine Geisterstadt“ bin ich ziemlich schockiert und aufgebracht.

Nicht nur, dass die Autorin Sarah Kempf offensichtlich der Rechtschreibung nicht mächtig ist („…genau wir Goldman…“, „das Roofgarden“ statt „der Roofgarden“), es werden auch Tatsachen falsch bzw. reißerisch überhöht wiedergegeben („Andere Lokale an der Hanauer Landstraße wie das italienische Restaurant ‚Das Leben ist schön‘ haben ganz geschlossen. – Unsinn, DLIS hat Samstag offen!, „Auf der Hanauer Landstraße hingegen begegnet man an diesem Samstag nicht einmal den Tunern, die sich regelmäßig an der Esso-Tankstelle versammeln. Vor ihr steht heute einsam ein Golf Cabrio in Metallic-Lila wie ein Denkmal. – Das Cabrio steht da immer freitags! Und – wieder inkompetent: freitags uns samstags ist ab 22.00 Uhr rund um die Tankstelle alles voll! „Um diese Uhrzeit ist hier niemand mehr, der sich nach ihren Wagen umdrehen könnte, denn die Läden, die Sportwagen und Designerteppiche verkaufen, haben längst geschlossen.“ – kein Wunder: Öffnungszeiten!). Der Belle Club ist oben und unten voll, allerdings nicht mit dem Publikum, dass Ihrer Journalistin offensichtlich zusagt.

Es ist richtig, dass die Zeiten des Entertainments auf dem Gelände, auf dem das Platea, der King ka Club, die Sansibar, 190East und die Unionhalle ihre Hochblüte hatten, vorbei sind. Der heutigen Zeit ist es geschuldet, dass die durchmischte Klientel von damals heute nicht mehr vorhanden ist und es des Weiteren auch keine Betreiber mehr gibt, die eine durchdachte Gastrosophie verfolgen.

Das Uniongelände ist voll vermietet und ich habe mich ganz bewusst entschieden, die Entertainment-Schiene zurückzufahren. In der heutigen Zeit bedeutet eine umfangreiche Gastro- und Event-Klientel immer auch gleichzeitig viel Ärger, Schlägereien und Polizeieinsätze, die bis zum Totschlag führen können. Ihre Redakteurin führt dazu das Beispiel des Gibson Clubs an – genau das wollen wir nicht mehr sein, weil wir eben auf dem Union-Gelände keine Schlägereien und keinen Totschlag haben wollen! Da wir uns aber nicht mehr in den 90ern und 00ern befinden und da die Vergnügungs-Klientel wesentlich gewaltbereiter geworden ist, finden hier keine Partys mehr statt, auch nicht mehr im ehemaligen King Kamehameha Club. Die sich bei solchen Veranstaltungen einfindenden Menschenmassen können nur noch mit einer Brigade von Türstehern und Wachpersonal in geregelte Bahnen gelenkt werden.

Hätte Frau Kempf sich die Mühe gemacht und wäre an einem Wochentag und tagsüber dagewesen, hätte sie klar vor Augen geführt bekommen, wie lebendig es auf dem Union-Gelände zugeht. Und auch in den Abendstunden bieten wir nach wie vor qualitätvolle Veranstaltungen, nur treten diese nicht mehr so öffentlichkeitswirksam in Erscheinung: Da wechseln hochwertige Industrie-Events in der Unionhalle sich ab mit Modenschauen oder Produktpräsentationen; Die Romanfabrik bringt ein hochwertiges Literatur- und Kulturprogramm; Für leibliches Wohl ist gesorgt durch die Trattoria Das Leben ist schön und das Café Alimentari. Auch der Belle Club ist sehr erfolgreich, das Zielpublikum ist aber ein anderes als in den vergangenen beiden Jahrzehnten. Das Gelände hat also keineswegs seine besten Zeiten hinter sich: Dank regelmäßiger und umfassender Investitionen zeigt es sich damals wie heute von seiner gleichbleibend besten Seite.

Natürlich haben diese Veränderungen auch etwas mit meiner Person zu tun, schließlich ist das Union-Gelände eines meiner „Kinder“ hier in Frankfurt, eines, das mir ganz besonders am Herzen liegt. An so ziemlich allen Aktivitäten dort bin ich in irgendeiner Form beteiligt, habe die Gastronomien sogar zeitweise selbst betrieben und damit die Qualität und das Zielpublikum mit bestimmt. Damals war ich 30 Jahre alt – Sie werden verstehen, dass ich nach 20 Jahren gastronomischen Engagements und mit jetzt 55 Jahren keine 20 Stunden am Tage mehr arbeiten möchte. Der Erfolg, den ich gehabt habe, könnte jeder andere auch haben, würde er sich nur eine Gastrosophie zu eigen machen und die Bereitschaft mitbringen, von morgens bis nachts zu arbeiten. Solche Leute gibt es leider heute nicht mehr. Wenn Sie die AHGZ aufschlagen, sehen Sie darin den Leitartikel „Notstand in Frankfurt“, man findet keine Angestellten mehr für die Individualgastronomie!

Nach wie vor erleben wir einen großen Zuspruch auf der Union von Seiten unserer Mieter. Nun sind auch diese älter geworden. Sie bevorzugen, dass das Gelände abends nicht mehr so lautstark bespielt wird.

Ich finde es traurig, dass Ihre Redakteurin von einer Geisterstadt spricht, obwohl sie wahrscheinlich in einem Alter ist, in dem sie die Hochzeiten der Hanauer Landstraße mit dem Lofthaus, der Molkerei, dem King Ka Club, 190East und der Sansibar nicht erlebt hat.
Es ist doch sonst nicht die Gepflogenheit Ihres Blattes, so reißerisch daher zu kommen, ohne die unterschiedlichen anderen Facetten zu beleuchten. Die Behauptung, nicht nur das Union-Gelände, auch ich hätte die besten Zeiten hinter mir – dazu fehlen mir die Worte. In Anbetracht allein meiner aktuellen Projekte, der Oldtimer-East-Garage und der Erweiterung des 25hours-Hotels Levis ist das schon eine grenzwertige Verurteilung! Und dann noch –völlig unpassend, überflüssig und ohne echten thematischen Bezug- zu erwähnen, dass ich zu 2 Jahren und 8 Monaten verurteilt worden bin, hat mich enttäuscht und verärgert. Und dies nicht zuletzt als FAZ-Leser, der diese Zeitung in Printform seit 40 Jahren täglich liest.

Ihr trauriger Ardi Goldman

 

Hier geht es zu dem betreffenden Artikel:
Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „Die kleine Geisterstadt“, online erschienen am 14.08.2017

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